Vorgestellt: Lucy in Blue

Lucy in Blue

Donnerstag Nacht beim Eistnaflug MetalFestival 2016, irgendwann gegen halb drei am Morgen. Ich kann mich nicht mehr dran erinnern welche Band ich davor gesehen habe. Ich war ein bißchen angeschlagen vom stundenlangen Festivalleben zuvor: hin und her hetzen zwischen dem Campingplatz und den zwei Bühnen, Fotos machen, rumspringen, mit Isländern trinken. Und der Tag zuvor hatte auch noch seine Spuren hinterlassen. Ich stehe in der Brennivin Stage, zusammen mit Baldvin von Lightspeed Legend, der mit gönnerhaft ein weiteres Egil’s ausgegeben hat und wir warten auf die Band die den zweiten Festivaltag schließen soll: Lucy in Blue. Mir wurde gesagt, dass das eine dieser Bands wäre, die man keinesfalls verpassen sollte – was sich als absolut zutreffend herausstellen sollte. Unser Smalltalk war vorbei sobald die ersten Klänge von der kleinen Bühne in der Egilsbúð an unsere Ohren drangen. Es gibt wahrlich nichts, was die isländische Musikszene nicht in petto hätte. Es gibt sogar sowas wie die isländischen Pink Floyd. Ich wollte unbedingt mehr über diese vier blutjungen und unglaublich talentierten vier Jungs wissen, die es schafften, mich in ihren musikalischen Bann zu ziehen, obwohl ich schon auf der letzten Rille unterwegs war.

Matti (Bass) und Addi (Keys, Gesang) trafen sich im Herbst 2013 in der Schule und bemerkten schnell, dass sie die selbe Leidenschaft für Musik verbindet. Kurz darauf begannen sprachen sie bereits darüber, zusammen Musik zu machen und Matti zog Steini (Gitarre, Gesang) mit dazu. Die musikalische Verbindung war sofort da, aber ein Drummer fehlte noch. Addi spielte in einer Pop-Band zusammen mit Kolli (Drums) und als Matti die Band spielen sah holte er Kolli zu Lucy in Blue.

„Daraufhin übertrugen wir unser gemeinsames Verständnis in psychedelische Klanggebilde und Melodien aus denen sich schließlich drei Songs entwickelten, die uns auf den zweiten Platz eines Musikwettbewerbs hievten“ erzählen uns die vier Jungs. 2014 war das, als sie beim Icelandic Music Experiments Wettbewerb, dem Músiktilhraunir, lediglich der Alternative/Indierock-Band Vio den Vortritt lassen mussten. „Wir haben diese Songs seitdem weiter geformt und eine Menge mehr geschrieben.“ Genug Songs für das bevorstehende Debütalbum, welches sich gerade im Mixing befindet: „Wir haben eine ganz schön lange Zeit an den Plänen für unser Debütalbums gearbeitet und haben es nun endlich aufgenommen, in einem wundervollen Studio namens Bakaríið (die Bäckerei) in der Kleinstadt Hveragerði. Wir mixen es jetzt und bald wird es dann gemastert. Es war viel Zeit nötig aber wir haben gleichzeitig schon an weiterem Material für ein zweites Album geschrieben.“ Nebenbei tüfteln alle vier natürlich an weiteren Nebenprojekten und haben außerdem einiges um die Ohren in Sachen Schule und Musikstudium – „aber Lucy in Blue ist unser Hauptanliegen“.

Auf dem Eistnaflug bespielte die Band die kleinere Brennivin Stage im Egilsbúð. Das ist ein 2* Hotel im Ortszentrum, in Hotelvergleichsportalen dennoch mit 9 von 10 Sternen bewertet. Die Bühne befindet sich in sowas ähnlichem wie einem alten Theaterraum, der Platz für vielleicht 350 Leute bietet. Eine perfekte Räumlichkeit, auch für die Band: „Beim Eistnaflug zu spielen war großartig, das Team war wirklich klasse und Egilsbúð ist eine super Location. Wir hatten ein sehr gutes Gefühl bei unserem Gig, viel Spaße und die Leute waren auch sehr gut drauf. Am Anfang waren wir etwas nervös weil wir mit einem brandneuen Song starteten aber alles lief glatt.“ Dem Publikum gefiel der Auftritt der Band definitiv. Ich erinnere mich an ein Mädel, das rum lief und ein paar wenige Leute, die sich unterhielten, darum bat, entweder die Location zu verlassen oder die Klappe zu halten damit die anderen das Konzert genießen konnten. Großartig. Denn die Art der Musik, welche Lucy in Blue spielen, ist es ohne Frage wert, aufmerksam und ungestört verfolgt zu werden, damit sie ihre volle Wirkung entfalten kann – insbesondere live auf einer Bühne. „Live für ein Publikum zu spielen ist in den allermeisten Fällen eine große Freude für uns, da wir unsere Musik außerhalb der Band präsentieren können, vor allem wenn das Publikum mit Begeisterung dabei ist. Aber selbst wenn keiner vorbei kommt schauen wir, dass wir trotzdem eine gute Zeit haben. Jeder Song ist von vornherein zu unserem eigenen Vergnügen geschrieben, von daher macht das zusammen musizieren immer Spaß.“

Was Lucy in Blue’s Musik zu so einer elektrisierenden Erfahrung macht ist ihre Kreativität und das unglaubliche technische Niveau, das allen ihren Songs innewohnt. Obwohl die Songs natürlich alle ihre Struktur haben, bleibt immer Platz und Zeit, sich einfach dem Flow hinzugeben: „We beginnen unsere Sets gerne mit einem Jam um zu schauen ob alles gut klingt. Wenn wir in die Songs gehen, stehen die wichtigen Momente aber fest. Es gibt einige Punkte an denen wir uns physisch mit Zeichen verständigen obwohl wir normalerweise schon zusammen diese Punkte erspielen. Aber natürlich gibt jeder Song zahlreiche Gelegenheiten für Feinheiten, wodurch keiner immer ganz gleich ist.“

Kreativität geht meist Hand in Hand mit Inspiration und Lucy in Blue sind eindeutig durch die großen Psychedelic Progressive Rock Gruppen der 70er beeinflusst und inspiriert. Aber das alleine würde nicht ganz dem Gesamtpaket gerecht werden – und da wir es nicht besser ausdrücken könnten, lassen wir es einfach im O-Ton so stehen: „“The inspiration for our music is blowing in wind, constantly, under the sea, among the fish and nature, as blissful as morning sun. We aim to bring the primal nature out of people and help it reach harmonious equilibrium.“

Bisher konnte man diese großartige neue Band nur in Island bestaunen, da sie in ihrer kurzen aber absolut vielversprechenden Bandgeschichte noch keine Gigs außerhalb der Insel gespielt haben.  Allerdings hoffen die Jungs auf eine baldige Chance dafür. Und wir auch!

Maybe...

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