This is not a hot dog…

Als ich meine Augen öffne liegt der stickige Raum im Bierdunst vor mir. Die Massen an Menschen drängen längst alle raus. Es sieht aus wie auf einer Müllkippe. Ich selbst bin nass. Damit meine ich nicht, dass mein T-Shirt ein wenig nassgeschwitzt ist. Nein, ich bin nass als hätte ich mich mitsamt meiner Kleidung unter die Dusche gestellt. Etwas angewidert über die nasse Kleidung, den klebrigen Fußboden der meine Sneaker wie ein Saugnapf festhält und die stickige Luft ziehe ich das letzte mal an meiner Zigarette und mache mich auf die Suche nach meiner Jacke. Währenddessen durchdringt mich der Bass aus den Boxen. Der nächste DJ hat aufgelegt, ein paar angetrunkene Menschen bewegen sich dazu. Unter ihnen knacken Plastikbecher und leere Bierdosen.

Als Martin und ich aus der Bar Hurrá in Reykjavik treten, nieselt es leicht und der Wind bläst uns ins Gesicht. Gerade eben sind wir noch mit Menschenmassen vor der Bühne zu FM Belfast gesprungen. Jetzt stehen wir draussen in der Kälte. Etwas benommen schlängeln wir uns durch Gruppen von Menschen. Es wird geschriehen und laut gelacht. Es wird gefeiert. Der Hot-Dog-Stand liegt Gottseidank direkt auf dem Weg zu unserem Hostel. So kommen wir nach fünfstündigem Trink- und Tanzmarathon noch zu unserem wohlverdienten Mitternachtsimbiss. Martin lallt die Hot Dog Verkäuferin an: “This is not a Hot Dog – this is art.” Ich lache müde. Als wir endlich in die Betten fallen ist es drei Uhr morgens.

Es ist der 07.November – der vierte Tag auf dem Iceland Airwaves 2015 ist angebrochen.

Das Iceland Airwaves ist eine Institution. Auf keinem anderen Festival fühle ich mich so wohl, auf keinem anderen Festival tanze ich so gerne zu seltsamen Musikrichtungen und an keinem anderen Ort der Welt treffe ich so häufig auf neue Bands und Musiker, die mich in Ihren Bann ziehen.

Nach ein paar Stunden Schlaf, wache ich am späten Vormittag auf. Meine Augen kann ich nur schwer öffnen, sie kleben. Den Geschmack vom Hot Dog im Mund, schleiche ich in die Küche und mache mir wie jeden Morgen auf dem Airwaves den leckeren Instant Kaffee. Der erste Schluck ist immer der schwierigste, danach glaube ich tatsächlich daran echten Kaffee zu trinken. Ich merke wie mir die Waden schmerzen – der Vorabend hat seine Spuren hinterlassen.

Am Samstag, dem vorletzten Tag, laufen Martin und ich etwas planlos durch die Gassen Reykjaviks, auf der Suche nach einem schönen Konzert. Unser letzter Zwischenstopp vor dem Abendessen führt uns in ein Hostel in der eine Band namens FURA spielt. Angekündigt wird sie für die Musikrichtung Electronic Art Pop.

Die Leute drängen sich vor der kleinen Bühne im Gemeinschaftsraum des Hostels. Die etwa 100 Menschen stehen bis zur Bar und wir finden nur noch Platz hinten in einer Ecke ohne Sicht auf die Band. Als wir uns auf den Fußboden mit einem Bier in der Hand setzen, erklingen schon die ersten Töne der Musik und diese reißen mich sofort in den Bann.  Jedes Lied fühlt sich so an als würde ich mich allein an der schroffen Ostküste Islands in der Dunkelheit des Winters wiederfinden. Wenn die Stimme der Sängerin zu mir dringt, ist es als würde ich nach einem Spaziergang am eiskalten Strand in eine Hütte mit Holzofen treten. Der Sound bewegt sich zwischen dunklen Bässen und der sanften Stimme der Sängerin Björt Sigfinnsdóttir. Ich liebe Musik zum nachdenken, eben solche wie FURA gerade machen. und so lehne ich mich zurück, schließe die Augen und höre auf den Refrain des Liedes Demons “There´s a civil war going on in my head and when I close my eyes and lay myself to bed, my demons come out of the darkness to attack….”

Die Band: FURA (Island/Dänemark)

Die Band rund um die isländische Sängerin Björt Sigfinnsdóttir bereichert die Musikwelt schon seit 2013. Seit kurzem wird sie für Liveauftritte vom dänischen Schlagzeuger Emil Vissing und dem Gitarristen Thomas Volmer ergänzt. Das erste Album FURA erschien am 02.November 2015.

Unbedingt reinhören:

Das Festival: Iceland Airwaves

Bereits seit  1999 findet das Iceland Airwaves jährlich statt, immer Mittwochs bis Sonntag. Die Musiker treten an verschiedenen Orten, hauptsächlich in Bars und Veranstaltungshallen in Reykjavik auf. Aber auch exotische Orte werden zu Bühnen, so zum Beispiel Bekleidungsgeschäfte, Schaufenster, Friseurläden und Schlafsäle in Hostels. In 2015 war es mit 9000 Besuchern wieder vollständig ausverkauft. Es werden überwiegend neue Bands vorgestellt. So dürfen internationale Künstler nur einmal auf dem Festival auftreten (no-return Policy). Schwerpunkt ist selbstverständlich auch die isländische Künstlerszene. Early Bird Tickets für das Airwaves 2016 sind ab 16.11.2015 erhältlich.

Unbedingt hinfahren: http://www.icelandairwaves.is

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