Teitur Magnússon muss die Katze füttern

Teitur Magnússon ©Magnus Andersen

Wenn man mich fragte, welcher Bart in Islands Musikszene der Schönste ist, müsste ich mich am Ende zwischen zweien entscheiden müssen. Und die Entscheidung fiele mir wirklich nicht leicht. Sowohl Berndsen, als auch Teitur Magnússon haben sich regelrechte Kunstwerke übers und ums Gesicht wachsen lassen, bei deren Anblick ich mich in sehnsüchtigen Schwelgereien nach dem Motto „wenn ich mal groß bin, dann…“ verliere. Wenn ich mir zu meinen Träumereien über Gesichtsbehaarung dann noch Teitur Magnússons erstes Solo-Album „Tuttugu og sjö“ anhöre, erscheint diese wohlige Illusion beinahe schon greifbar nah und ich renne mit geschlossenen Augen gegen den Wind und mein Bart flattert hinter mir her. Vielleicht ist es die betörende Sitar im Song „Nenni“, die wie ein Mantra zwischen Basaltsäulen hin und her hallt und dabei eine bewusstseinserweiternde Wirkung entfaltet. Sehr wahrscheinlich. Oder die vergnügte Flöte in „Staðlaust hjarta“. Genauso wahrscheinlich. Das Album, dessen Titel „27“ bedeutet, ist für mich jedenfalls eines der bemerkenswertesten, ungewöhnlichsten und schönsten der letzten Jahre in Island. Teitur hat einen völlig eigenen Stil und Klang auf dem Album entwickelt, vor allem da er frei Schnauze mit allem experimentiert, was ihm in den Sinn kommt – am offensichtlichsten sind dabei natürlich die Instrumente, aber auch ein Track wie „Drekktu“, welcher mehr wie eine Gedichtrezitation daher kommt. Teitur war 27, als er es veröffentlichte, und dass es eine Spieldauer von 27 Minuten umfasst, halte ich nicht für von langer Hand geplant, sondern für eine Fügung. Ganz klar.

Teitur Magnússon "27" ©Sigurlaug Gísldóttir
Teitur Magnússon „27“

Wie schaut ein typischer Teitur Magnússon Tag aus? Gibts sowas?

Kein Tag ist wie der andere, aber die meisten Tage verbringe ich mit meiner Familie und der Arbeit mit Musik und was damit zu tun hat. Ich hab mit Leuten zu tun die mir wichtig sind, plane Konzerte und probe. Manchmal muss ich ein bißchen Papierkram machen. Ich mag es, mich in allerlei Einflüsse zu vertiefen, vor allem Musik und Literatur. Und dann muss ich die Katze füttern.

Wie kams, dass du entschieden hast, Musik zu machen? Gibts wirklich sowas wie „oh es ist immer so dunkel in Island im Winter, was mach ich bloß…ach lass uns Musik machen“ oder ist das sowas wie ein isländischer Mythos?

Ich hab Musik immer so sehr geliebt dass ich mit dabei sein wollte. Die dunkle Zeit mag was damit zu tun haben, denn Musik kann eine Art Therapie sein. Es fühlt sich großartig an Musik zu machen und kreative Ideen zu entwickeln, alleine aber viel mehr noch mit anderen zusammen.

Bei deinem Solo Debüt-Album möchte ich am liebsten sofort runter zum See laufen, mich ans Ufer setzen und so tun als würde ich einen Sommer-Sonnenuntergang anschauen (obwohls noch gar nicht Sommer ist). Ist das Album ein Sommer-Album? Aus Island? Viele isländische Bands kokettieren mit der Düsterkeit, der Melancholie, der gewaltigen Landschaft. Was ist deine Herangehensweise an die Musik?

Man könnte es als ein Sommer-Album bezeichnen da es im Hochsommer in einem Hochgefühl der Kreativität aufgenommen wurde und viel davon ist in die Produktion eingeflossen und spiegelt sich darin wieder. Manche Leute halten es für ein Weihnachtsalbum weil es kurz vor Weihnachten veröffentlicht wurde und sie es mit Urlaubserinnerungen verbinden.

Die Songs wurden im Winter und, vor allem die lustigeren, im Frühling geschrieben. Jetzt da du es ansprichst denke ich, dass die Jahreszeit Einfluss aufs Songwriting hatte. Ich hab die letzten Jahre in der Innenstadt von Reykjavík gelebt, bin zwischendurch aufs Land und ins Ausland gereist und all das hat ohne Frage irgend eine unterbewusste kreative Kraft hervorgebracht. Es scheint so, als würde ich nach jedem Abschnitt meines Lebens irgendwas schreiben und oft waren das Reisen, der Fluss von Energie nehm ich an.

Mit deinem Album bist du einer der jüngsten Kraumur Award Träger, Glückwunsch! Worum gehts bei der Auszeichnung und wie hilft sie isländischen Musikern in ihrer Entwicklung?

Danke! Die Auszeichnung bedeutet, dass du dich gut gemacht hast und ein herausragendes Album heraus gebracht hast. Kraumur arbeitet dann daran, deine Musik bekannter zu machen und zu verbreiten. Es ist eine große Ehre.

Worüber handeln die isländischen Lyrics deines Albums? Vor allem Vinur vina minna, ich liebe den Song. Woher holst du dir Inspiration für deine Lyrics?

Die Lyrics wurden vor allem von meinem Cousin Skarphéðinn mit verfasst und handeln vom Leben wie wir es kennen. Oft sind sie verspielt und jeder Song hat ein bestimmtes Thema, eine kleine Geschichte. Vinur Vina minna bedeutet ein Freund meines Freundes und der Song handelt von Liebe, Vertrauen und Freundschaft, aber auch wie jeder jemanden kennt der diesen Typen kennt. In einer kleinen Gemeinschaft wie in Reykjavíks Innenstadt kannst du nicht wütend auf jemanden sein, denn er ist wahrscheinlich der Freund deines Freundes. Das Wort Freund im Englischen kommt übrigens vom isländischen frændi was Onkel oder Cousin bedeutet, da haben wir also den Kreis geschlossen.

Du spielst eine Menge Konzerte in Island. Gibts auch Pläne im Ausland zu spielen in naher Zukunft? Deutschland wäre natürlich klasse 😉

Es wäre großartig in Deutschland zu spielen! Ich wurde eingeladen diesen April in Wroclaw, Polen, zu spielen und ich freu mich sehr darauf. Vielleicht kommt Deutschland als nächstes.

Bist du auch in anderen Projekten involviert? Du bist auch bei Ojba Rasta aktiv?

Yep, ich spiele Gitarre in einer Band namens Justman. Ich hab Lyrics für Gus Gus und Hjaltalín geschrieben. Ich spiele Gitarre und singe bei Ojba Rasta. Ich helfe bei der Organisation des Reykjavík Folk Festivals das jedes Jahr im März stattfindet. Ich arbeite außerdem mit neuen Freunden zusammen aber das ist noch im Entstehen.

Und was sind deine persönlichen Favoriten wenns um isländische Musik geht?

Oooohh das ist schwer, hängt von meiner Stimmung ab…..

Vielen, vielen Dank für das Interview, Teitur!

Teitur Magnússon ©Magnus Andersen
Teitur Magnússon

Teitur Magnússon spielt seinen Song „Nenni“ vor dem Gröndalshús in Reykjavík. Das Video wurde von unseren Freunden bei Orange ‚Ear aufgenommen, die einen großartigen Videoblog zur isländischen Musik unterhalten. Es lohnt sich sehr, bei ihnen auch mal vorbei zu schauen!

Featured Image & portrait © Magnus Andersen
Album cover © Sigurlaug Gísldóttir

Maybe...

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