Svavar Knútur @Biersalon Trompeter, Hof, 27.2.16

Svavar Knútur

Es kommt nicht so oft vor, dass sich isländische Künstler oder Bands in die doch eher abgelegenen Gegenden meiner oberfränkischen Heimat verlieren. Und wenn es sich dann auch noch um einen solchen musikalischen Leckerbissen wie den Songwriter Svavar Knútur aus Reykjavík handelt, der momentan mit seiner neuen Platte „Brot“ durch Deutschland tourt, dann stellt sich die Frage, die paar Kilometer nach Hof auf mich zu nehmen, sowieso nicht mehr.  In der Location, dem Biersalon Trompeter, ist Svavar dennoch kein Unbekannter, zuletzt hat er dort im Mai vergangenen Jahres vorbei geschaut. Wie gut es ihm hier gefällt und wie sehr ihm das Bier schmeckt, betont er daher auch gleich ein paar Mal während der insgesamt fast drei Stunden (!), die er inklusive einer halbstündigen Pause das Publikum in der kleinen Kneipe unterhält.

Svavar Knútur
Svavar Knútur
Svavar Knútur
Svavar Knútur

Und unterhalten ist nicht nur im Hinblick auf die Musik zu verstehen. Svavar  ist bekannt für seine ausschweifenden Erzählungen voller Humor während seiner Auftritte, mal indirekter und feinsinnig, mal frei Schnauze heraus ohne Rücksicht auf Etiquette und empfindliche Gemüter. Aber immer authentisch, zum Brüllen komisch und voller Begeisterung und dadurch ohne Frage von Grund auf sympathisch. Island gilt ja als das Land der Trolle und Feen. Svavar selbst vereint beides auf der Bühne wie er selbst sagt und eindrücklich beweist: die Geschichten und Ansagen, die er mit Inbrunst und unter Einsatz skurrilster Stimmakrobatik vollführt wie ein Troll auf der einen Seite. Da wird z.B. ein Spaziergang entlang eines isländischen Strandes mit wallender Brandung und kreischenden Möven so lebendig vertont, das man sich wahrhaftig dorthin versetzt fühlt – auch wenn der Spaziergang mit dem Fund einer aufgedunsenen Wasserleiche eher unerfreulich endet. Auf der anderen Seite seine Musik, die in vielen Momenten tatsächlich feenhaft wirkt und den Abend in dieses Wechselbad der Gefühle und Stimmungen verwandelt, das auch sein aktuelles Album auszeichnet.

Von diesem Album beschenkt er die Anwesenden mit wunderschönen Interpretationen z.B. seines Songs „Ulfar“ über seinen Sohn, von dessen Verdauungstätigkeit das Hofer Publikum nun genauer Bescheid weiß. Oder mit dem „Girl from Vancouver“, was bei weitem nicht der einzige Song ist, bei dem das Publikum die Liedzeilen oder wenigstens die uh’s und ah’s der background vocals mitsingt. Und wenn es Hilfe bedarf, sagt Svavar während er nicht gerade singt, einfach schnell die nächste Textzeile an, damit sie dann auch alle mitsingen können. Aber auch von älteren Werken gibt es einiges zu hören, unter anderem einen der schönsten Songs Svavar’s, die melancholische Hommage an das Fernweh, „Wanderlust“. Das Publikum lässt sich vom Charisma Svavars, seinem Humor, seiner schlichtweg überwältigenden Stimme und seiner Präsenz auf der kleinen Bühne auch zum allergrößten Teil in den Bann ziehen. Aber auch wenn es eigentlich die Zeilen nicht wert ist, etwas Allgemeines muss ich an dieser Stelle dann doch los werden: Jeder, der meint, es wäre in seiner eigenen Geltungssucht in Ordnung, durch lautstarke Unterhaltungen den Geräuschpegel gerade bei einem eher ruhigen Konzert auf den einer Bahnhofshalle anzuheben, möge bitte sein Ego und sein belangloses Geplapper zusammenpacken und mit vor die Türe nehmen. Das ist eine Frage des Respekts und Anstands gegenüber dem interessierten Publikum und vor allem dem Künstler auf der Bühne. Leider können einige wenige damit allen anderen das Erlebnis versauen. Also raus bitte. Danke.

Svavar Knútur
Svavar Knútur

Aber zum Glück ist Svavar so stark, dass er diesen Widrigkeiten widersteht und am Ende noch ein halbes weiteres Konzert an Zugaben zum Besten gibt. Svavar, danke für diesen großartigen Abend und hoffentlich auf bald!

Maybe...

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