Sóley – Sin Fang – Örvar Smárason: Dream Team für ein Jahr

Dream Team? Die Frage darf man sich auf den ersten Blick durchaus mal stellen, wenn sich eine der international bekanntesten Musikerinnen Islands (Sóley Stefánsdóttir), ein Tausendsassa (Sindri Már Sigfússon) und ein Veteran des Insel-Elektro (Örvar Smárason) zusammen tun, um ein gemeinsames Album aus dem Boden zu stampfen.

Auf den zweiten Blick ist aber trotz der geballten musikalischen Kompetenz auch die Frage erlaubt, was dabei am Ende denn rauskommen mag. Denn stilistische Unterschiede zwischen den Protagonisten dieser musikalischen Dreiecksbeziehung sind nicht von der Hand zu weisen. Sóleys düster-traurige Melancholie ihrer Solowerke zum Beispiel ist in etwa so weit weg vom schweißtreibenden Luftschlangen-Elektropop FM Belfasts, zu dem Örvar Smárason gelegentlich in Unterwäsche durch die Clubs springt, wie das wuselige Reykjavík von den abgeschiedenen und vereinsamten Ostfjorden der Insel. Warum sich Sindri Már Sigfússon denn auch gerade diese beiden ins Boot holte, als er das Projekt in einer Laune der Spontanität aus der Taufe hob, bleibt daher wohl sein Geheimnis. Sicher spielte dabei aber eine Rolle, dass sich Sóley und Sindri Már bereits bestens aus der Indie-Folk-Gruppe Seabear kannten, bevor er sich vor allem seinem solistischen Alter Ego Sin Fang und anderen Sidekicks wie GANGLY widmete.

Man fragt sich also bei all den Bands, Projekten und Solokarrieren, an denen das Dream Team so erfolgreich bastelt, wo bitte schön da noch Zeit bleiben soll für eine weitere Baustelle. Kreatives Zeitmanagement war also gefragt. Ein Blick auf die Tracklist verrät uns, dass das Album 12 Songs umfasst. Praktisch, schließlich hat das Jahr 12 Monate. Und so trafen sich Sóley, Sindri Már und Örvar denn auch im vergangenen Jahr jeden Monat, stampften innerhalb von drei Tagen jeweils einen Track aus dem Boden, veröffentlichten diese zunächst auf Bandcamp, packten zum Schluss alles in eine Tüte, nannten diese “Team Dreams” und veröffentlichten sie über das Berliner Label Morr Music. Jenes Label, das im Übrigen alle drei bereits in verschiedenen Bands und Projekten unter Vertrag hat. Als ein team effort stellt sich das Album tatsächlich auch heraus. Die Sóley-typische Gänsehaut-Atmosphäre stellt sich bei zum Heulen schönen, von Pianoklängen und wechselndem Gesang getragenen Songs wie “Wasted” oder “Space” ebenso ein, wie sich eine minimalistisch angehauchte Ambient-Electropop Soundwall bei “Random Haiku Generator” oder “Tennis” entfaltet, die man so oder besser gesagt so ähnlich auch von GANGLY oder auch Örvar’s Experimental-Electro-Combo múm zu hören bekam (und bekommt). Dass sich zudem – zumindest stilistisch sachte angedeutet – ein Spannungsbogen durchs Album zieht, der den Jahresverlauf wiederspiegelt, macht dieses ganze Projekt noch interessanter. Gewissermaßen der “Song zum Juni”, in dem es an der Grenze zum nördlichen Polarkreis kaum mehr düster – geschweige denn dunkel – wird klingt auch genauso: so frisch und lichtdurchflutet wie auch der Songtitel “Citrus light” vermuten lässt.

Ja, “Team Dreams” kann man als ein rundes, gelungenes Werk eines echten Dream Teams aus Island bezeichnen, entstanden aus dem kreativen Konzentrat einiger weniger Tage. Angesichts dessen und der Live-Qualitäten eines jeden einzelnen der drei Team-Mitglieder sind wir gespannt wie ein Flitzebogen ob ihrer Tour durch Deutschland im März und legen sie euch auch wärmstens ans Herz. Die genauen Termine könnt ihr in unserem Event-Kalender nachschauen.

Maybe...

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