FURA – Tiefgründige Sounds aus den Ostfjorden

FURA

Björt Sigfinnsdóttir ist eine bewundernswerte Allrounderin: sie hat ein Musikfestival ins Leben gerufen, das jedes Jahr in ihrer Heimatstadt Seyðisfjörður im Osten Islands stattfindet, sie unterhält eine Kunstakademie  – und sie ist FURA, zusammen mit ihren Kumpels Hallur Jónsson und Janus Rasmussen. Das Trio begann 2013 damit, zusammen Musik zu machen und im vergangenen November veröffentlichten sie ihr erstes volles Album.

Und es ist ein bemerkenswertes Erstlingswerk geworden! Die kraftvollen, tiefen elektronischen Sounds von Hallur und Janus stehen der wunderschönen, klaren Stimme Björts entgegen, welche wärmendwie ein Lichtschimmer in einer kalten und bedrohlichen Dunkelheit wirkt. Eine schaurig-schöne Mischung. Ihre Texte sind zutiefst emotional und persönlich und handeln von gescheiterter Liebe, Furch und Zweifel. Trotzdem – oder gerade deswegen – dürften sich die meisten darin wiederfinden, dreht es sich doch um zutiefst menschliche Gefühle und Erfahrungen: „Unpredictable moments are the ones /that will shape you in the end“ – mal ehrlich, sowas sind für mich hammermäßige Lyrics!

Oberflächliche elektronisches Gedudel ist das, was FURA bietet, jedenfalls definitiv nicht. Trotzdem machen sich Songs wie „Unpredictable moments“ oder „Leave“ vielleicht gar nicht mal so schlecht zum gedankenverlorenen Popowackeln. Viel mehr ist FURA nachdenkliche und fordernde elektronische Musik, was ich sehr mag. Und deswegen bin ich sehr froh, dass Björt uns ein paar Fragen beantwortet hat!

Hæ Björt! Danke dass du uns ein paar Fragen beantwortest! FURA ist das Ergebnis deiner Zusammenarbeit mit Hallur Jónsson und Janus Rasmussen, die unsere Leser beide vielleicht von der Band Bloodgroup kennen und Letzteren außerdem von Kiasmosm, einem der angesagtesten Electronic-Acts aus Island zur Zeit. Ihr habt euch vor ein paar Jahren getroffen und angefangen, zusammen Musik zu machen. Wie kam das zustande und wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen euch vorstellen?

Hallur und ich kommen beide aus dem Osten Islands und dann haben wir zusammen im Skífan im Laugarvegur gearbeitet, einem legendären Plattenladen in der Innenstadt Reykjavíks. Jamus arbeitete dort auch, aber wir hatten nicht so viele Schichten gemeinsam. Hallur und ich wurden dabei richtig gute Freude und haben in der Band des Skífan zusammen gespielt, was sehr viel Spaß gemacht hat. Ein paar Jahre später hatte ich bereits ein komplettes Acoustic-Album aufgenommen, als mir klar wurde, dass ich eigentlich elektronische Musik machen wollte. Ich war ein großer Fan von Bloodgroup, die für mich zu dem Zeitpunkt der coolste Elektro-Act waren. Da ich Hallur kannte frage ich ihn, ob er jemanden kenne, der bereit wäre, von ein oder zwei meiner Songs Electro-Versionen zu basteln. Ich hatte nie im Traum daran gedacht dass er es gern machen würde, geschweige denn gleich alle beide. Aber das war sein Vorschlag und ich bin direkt drauf eingegangen. Zum Glück.

Unsere Zusammenarbeit lief recht geschmeidig wenn wir uns treffen konnten. Wir sind alle auch mit anderen Projekten ziemlich beschäftigt und wohnen obendrein auch nicht in der selben Stadt, also treffen wir uns normalerweise für einen oder zwei Tage in ihrem Studio und dann wird einfach produziert, produziert, produziert. Alles im Anschluss geht dann zum Großteil per Mail. Ich hab ihnen auch ganze Songs geschickt, die sie dann überarbeitet und cool gemacht haben. Zum Beispiel „Poems of the past“ und „Demons“ vom Album, die waren fertig und bereits akustisch aufgenommen für den Anfang.

Da wir alle sehr beschäftigt sind haben wir uns vergangenes Jahr dazu entschlossen, ein paar Veränderungen in der Band durchzuführen. Ich bin nach Dänemark gezogen und hab zwei neue Mitglieder für die Live-Auftritte ins Boot geholt. Man könnte also sagen, dass Hallur und Janus die Producer sind, während Emil Vissing (Drums) und Troels Holdt (Gitarre) mit mir zusammen das Live-Setup darstellen.

Zusammen mit dem Album hast du auch einen Clip zum Song „Demons“ veröffentlicht, in dem es um intensive und bedrückende Gefühle geht, über Furcht. Andere Songs schlagen einen ähnlichen Ton an. Was bedeutet Musik für dich persönlich? Wie viel von dir selbst fließt in deine Musik bzw. das Album?

Die Inspirationen für meine Lyrics nehme ich definitiv aus meinem eigenen emotionalen Auf und Ab. Das mag so aussehen als wäre ich eine depressive Person, was ich nicht bin, aber manche der Songs wurden während meiner dunkelsten Stunden geschrieben, ganz klar.

Musik ist und war für mich schon immer ein Weg meine Gefühle auszudrücken. Wie viele andere Musiker auch kann ich scheinbar manchmal meine bedrückenden Gefühle aus mir heraus nehmen und stattdessen in meine Musik stecken. Das kann eine Erleichterung sein wenn man ein sehr emotionaler Mensch ist wie ich. Was nicht schlecht ist, ich mag es, mich meinen Gefühlen zu stellen.

Manche isländische Bands sind wie Seifenblasen, sie tauchen plötzlich auf für eine gewisse Zeit und machen ebenso schnell wieder Platz für andere Projekte ihrer Mitglieder (was ich übrigens für einen Grund dafür halte warum die isländische Musikszene so elektrisierend ist wie sie ist). Was sind deine zukünftigen Pläne mit FURA?

Wir planen im Moment tatsächlich die zweite Hälfte 2016 und 2017, der genaue Weg ist daher etwas undeutlich gerade. Aber ich hoffe dass wir jede Menge Konzerte spielen können, vielleicht Festivals, und dann haben wir vor unsere erste kleine Tour Ende 2016/Anfang 2017 zu machen. Wir haben außerdem noch ein paar alternative Art-Shows in der Pipeline, aber es ist noch zu früh um über das wo und wann zu sprechen. Wir werden unsere Facebook und Instragram Accounts aber ganz bestimmt aktuell halten.

Ihr habt vor Kurzem einen Gig in Tallinn/Estland gespielt. Wie wars? Gibts vielleicht die Gelegenheit euch auch in Deutschland zu sehen? 🙂

Wir würden liebend gerne in Deutschland spielen und hoffentlich können wir den einen oder anderen Gig dort spielen wenn wir auf Tour gehen. Aber der Gig in Tallinn war Teil der Tallin Music Week, ein großartiges Showcase-Festival in Estland. Es war eine tolle Sache für uns.

Du bist mit großer Hingabe auch mit anderen Projekten aktiv, wie dem LungA festival und der LungA Schule. Kannst du uns ein bißchen mehr darüber erzählen?

Richtig, das bin ich. Ich hab Unternehmerschaft und Projektleitung an der besten Schule der Welt, der KaosPilots in Aarhus gelernt. Ich halte morgen (jetzt wo ich  das hier gerade schreibe)  genau genommen sogar einen Vortrag über „Experience economy and Performance Design“, was ich auch sehr gerne mache.

Ich habe das LungA-Festival zusammen mit meiner Mutter und ein paar Freunden gegründet als ich 15 Jahre alt war. Es war ein Versuch meiner Mutter, um ihre Teenager-Tochter davon zu überzeugen in dem kleinen Ort an der Ostküste Islands zu bleiben, in dem ich aufgewachsen bin. Ich war ein hyperaktives, super kreatives Kind während die meisten meiner Freunde total sportbegeistert waren. Ich hab auch viel Sport gemacht aber war nie so richtig zufrieden damit also hab ich damit gedroht weg zu ziehen. Meine Mutter schlug dann vor, stattdessen etwas cooles auf die Beine zu stellen, sodass zu bleiben reizvoller wäre. Das haben wir dann gemacht. Wir haben ein Kunstfestival aus der Taufe gehoben und deswegen komm ich immer noch jeden Sommer zurück um das Festival zu veranstalten. Mission erfüllt 🙂

Das LungA-Festival ist ein internationales, fortbildendes Kunstfestival, aufgebaut um einwöchige Workshops, die von den aktuell interessantesten Künstlern gehalten werden. Die Workshops sind experimentell und alternativ und wir spielen dabei mit den Grenzen zwischen verschiedenen Kunstformen, Handwerken, Designs und so weiter. Während der Nachmittage und Abende ist das Programm mit Darbietungen, Musik und allerlei sonstiger Kunstveranstaltungen gefüllt. Es ist ein Ausbruch der Kreativität zwischen majestätischen Bergen praktisch mitten im Nirgendwo. Es ist großartig.

Die LungA-Schule ist ein unabhängiger Ableger des Festivals. Es ist ein dreimonatiger Kurs, der zwei Mal im Jahr statt findet, einmal im Frühling und einmal im Herbst. Es ist ein intensiver Kurs zur künstlerischen Selbstentfaltung Entwicklung. Es wird außerdem auch eine Vielzahl an experimentellen und alternativen Workshops angeboten, wie beim Festival. Wenn du also nach einem Abenteuer suchst, das Überraschungen bereit hält, dann bist du hier genau richtig.

Welchen anderen isländischen Bands würdest du wärmstens empfehlen?

Ich würde auf jeden Fall sagen Good moon deer, Vök, Júníus Meyvant, FM Belfast und…ohh, es gibt so viele!!

Irgendwelche Künstler, die dich in deiner Arbeit ganz besonders inspiriert haben? Was war der letzte Song den du gehört hast (bzw. an den du dich zumindest erinnern kannst dass du ihn gehört hast 🙂 )?

Ja, viele Musiker haben mich inspiriert. Led Zeppelin, The Doors, Pink Floyd, Björk, Tom Waits, Pj Harvey, Portishead, Bloodgroup, Massive Attack, Propellerheads, Michael Jacksone, Etta James, Gus Gus, Roisin Murphy, The Knife…Die List ist endlos. Und der letzte Song an den ich mich erinnere ist „Broke“ von Rangleklods, auch sehr inspirierende Musiker.

Vielen Dank nochmal, dass du dir die Zeit genommen hast, Björt! 🙂

Maybe...

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