My bubba @Kranhalle, München, 11.5.16

My bubba

Die besonderen Momente kommen manchmal ganz leise daher, von vielen unbemerkt und kaum beachtet. Das kann auf der einen Seite schade sein, weil nicht mehr Menschen diese Momente genießen konnten. Auf der anderen Seite trägt genau das aber vielleicht auch ein wenig zu diesem Zauber bei, der diesen Momenten innewohnt. So ein Moment ergab sich gestern in der Kranhalle des Münchener Feierwerks beim Konzert des isländisch-schwedischen Folk-Pop Duos My bubba.

Ich hatte nicht unbedingt mit einem ausverkaufen Haus gerechnet. Dass aber gerade mal vielleicht zwei Dutzend Leute inklusive Mischer (wenn man die denn großzügig mitzählen will) da waren, als der Support von Happy Motors begann, kam dann doch ein wenig überraschend. Dabei hätten bereits die fünf Münchener zweifellos mehr Publikum verdient gehabt. Angesiedelt irgendwo im Country-Folk-Bluegrass-Swing zwischen Hank Williams und Bob Dylan war mit Pedal-Steel-Guitar, Geige, Mundharmonika, Kontrabass und Texten über Autos, (flüssiges) Essen und den Teufel alles geboten was man so braucht, um sich ins Amerika der 40er-60er Jahre zurück zu versetzen. Stilistisch war das etwas, was man nicht alle Tage auf den Bühnen der Stadt zu sehen und hören bekommt. Und Abwechslung tut bekanntlich gut, vor allem wenn sie einem dauerhaft ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Nicht minder außergewöhnlich, aber bedauerlicherweise kaum besser besucht, war dann im Anschluss der Auftritt My bubbas. Ich kann mich zum Beispiel nicht daran erinnern, wann ich zuletzt ein Body-Percussion-Stück gehört habe, und das als Opener des Abends. Minimalistischer, reduzierter auf das Wesentliche, geht’s musikalisch ja kaum: nur der zarte, manchmal geradezu gehauchte und wunderschöne Gesang – mal solo, mal im Duett – von My Larsdotter und Guðbjörg Tómasdóttir (die Bubba von beiden) und ein bißchen Klatschen, Stampfen und Klopfen. Damit war die Richtung vorgegeben und mehr als eine Gitarre (gespielt von Bubba) und eine laut My 120 Jahre alte norwegische Cittra brauchte es weiter auch nicht, um einen komplett in Staunen zu versetzen. Ein so kleiner Rahmen macht ein Konzert natürlich um einiges intimer und gemütlicher, My’s Einladung sich vor der Bühne niederzulassen und hier und da ein kleiner Smalltalk zwischen den beiden und dem Publikum inklusive. Die Unmittelbarkeit und Intimität der Musik von My bubba brachten die beiden auch durch die Anekdote zum Ausdruck, nach der sie für ihr neues Album „Big Bad Good“ eigentlich ohne Songs ins Studio gingen – und deren Entstehung sie stattdessen dort der Kreativität des Moments überließen. Und zum Schluss auch mal ein Kompliment ans Publikum, das völlig mucksmäuschenstill blieb während der Songs. Das hab ich auch schon ganz anders erlebt und gerade bei so ruhiger Musik ist selbst jedes Geflüster nervig. Zum Glück gab’s keines. Danke für einen wundervollen, berührenden Abend, My und Bubba.

Maybe...

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