Svavar Knútur und das Auf und Ab des Lebens

Svavar Knútur

Wirft man einen Blick auf unseren Veranstaltungskalender im Februar fällt sofort auf, dass dieser von einem Namen dominiert wird: Svavar Knútur. Gleich in 14 deutschen Städten wird er im Lauf des Monats zu sehen sein, in Dresden sogar doppelt. Was liegt also näher, als diesen Künstler mal genauer unter die Lupe zu nehmen. In Deutschland ist Svavar vielleicht noch nicht so vielen ein Begriff, obwohl er besonders mit seiner Band Hraun internationale Aufmerksamkeit erregen konnte. Zu Hause in Island dafür aber umso mehr. Dort ist der Songwriter nicht nur für seinen von Gitarren und seiner warmen, vollen Stimme getragenen Folk-Pop bekannt, sondern auch durch sein politisches und gesellschaftliches Engangement, wie ihr vielleicht auch in unserem kürzlich veröffentlichten Artikel zur drohenden Schließung des Gaukurinn Clubs schon erahnen konntet. Aber zurück zum Thema.

Svavar kommt auf Europa-Tournee, um sein vergangenes Jahr veröffentlichtes Album „Brot“ zu promoten, was übrigens mit „Bruchstück“ oder „Ausschnitt“ übersetzt werden kann, also nichts mit Backwaren zu tun hat. Nach drei vorangegangenen Alben und einer EP, auf denen oft alleine ruhige Gitarren, hin und wieder ein Piano und vor allem tolle Gesangsduetts den Ton angaben, überrascht das neue Album direkt beim ersten Song, gleichzeitig dem Titelsong des Albums, mit der vollen Bandbesetzung. Das 4:48 lange „Brot“ beginnt mit einem wunderschönen Gitarrenriff, bevor Svavar beginnt, in seiner Muttersprache, von den Irrwegen und Krisen des Lebens, Ruhe- und Rastlosigkeit zu singen: „I have walked a crooked path, all my life / and plans lie askew“. Eine Metapher fürs Leben: eine lange, oft nicht einfache Reise auf einem kleinen, vom Sturm gebeutelten, aber tüchtigen und widerstandsfähigen Boot, wie es das Cover der Platte ziert, manchmal mit ungewissem Ausgang: „Will I today get maybe a short peace? / Will I find in this place temporary sanctuary, / just for a moment?“ Wobei trotz aller Widrigkeiten immer die Hoffnung weiter lebt, eins Tages das rettende Ufer zu erreichen. „Still, the thought that time’s hail will ease / I count to my life’s salvation“. Passend dazu klingt der Song fast immer alles andere als düster und hoffnungslos – außer während seines Mittelteils, in dem sich die bedrohliche Ungewissheit in den Gehörgang schleicht. Allerdings nur, um im Finale wieder von einer Mut machenden und geradezu euphorisierenden Aufbruchsstimmung vertrieben zu werden. „Brot“ ist der großartige Auftakt zu diesem Album und gleich mein persönliches Highlight.

Dass Svavar auch seinem früheren Stil, Gitarre und Gesang, nicht abgeschworen hat und ihn immer noch großartig beherrscht zeigen dann Songs wie das traurige, in offenbar schemenhaften Erinnerungen an eine verflossene Liebe schwelgende „The Curtain“, welches von schwermütigen Streichern begleitet wird und beide zu Wort kommen lässt. Oder die wunderschöne, bewegende Liebeserklärung aus „Little things“, bei der es sich ganz besonders lohnt genauer auf die witzigen Lyrics zu hören. Das Auf und Ab der Gefühle und Stimmungen ist bei all dem der rote Faden, der sich durch „Brot“ zieht, das auch als Ganzes wie die im Titelsong besungene Lebensreise wirkt. Doch am Ende sind alle Unwägbarkeiten und Krisen gemeistert und „Slow dance“ klingt nach der erlösenden und glücklichen Ankunft im sicheren Hafen: „Come into the light / come into the light / welcome home / come into the light“.

Svavar ist bekannt dafür, live ein sehr sympathischer und lebhafter Geschichtenerzähler zu sein, eine Art Barde. Und beim Durchhören seines neuen Albums kann man sich das sehr gut vorstellen, wie entspannt und gleichzeitig fesselnd ein Abend mit ihm und seinen Geschichten und Liedern in einer der kleinen Locations sein dürfte. Und diese Vorstellung ist so gut, dass auch ich mir das nicht entgehen lassen werde. Und ihr hoffentlich auch nicht.

Svavar’s Homepage (die ich euch wärmstens ans Herz legen möchte!)
Svavar @Facebook
Svavar @SoundCloud

Photo © Zippo Zimmerman mit freundlicher Genehmigung von Svavar Knútur

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