Sóley & Mr. Silla @E-Werk, Erlangen, 9.12.2015

sóley

Sóley im E-Werk? Diesen Leckerbissen sollte man sich nicht entgehen lassen. Vor allem wenn die Erinnerung an Sóleys ergreifenden Auftritt im KEX Hostel vor etwa einem Monat während des Iceland Airwaves 15 Festivals noch frisch ist. Damals war sie solo auf der Bühne und das zum Bersten gefüllte KEX war so mucksmäuschenstill wie ich es nie zuvor erlebt hatte, vollends verzaubert von Sóley’s Ausstrahlung und ihrer Musik. Und dann ist da ja mit Mr. Silla auch noch eines dieser hoch gehandelten neuen Projekte , das aus Gründen des überquellenden Angebots an Möglichkeiten beim Airwaves leider (leichtfertig) verpasst wurde. Zwei auf einen Streich also. Ab ins E-Werk! Mit der kleineren Club-Bühne passte auch der äußere Rahmen zum musikalischen Inhalt dieses Abends. Denn Sóleys Musik ist ruhig und träumerisch und ihre Lyrics persönlich und intim. Aber eins nach dem anderen, zuerst war natürlich Mr. Silla an der Reihe.

Mr. Silla ist eigentlich eine Ms. Silla, namentlich Sigurlaug Gísladóttir, welche von Tyler Ludwick an der Gitarre und den Drum Pads unterstützt wird. Sie selbst spielt auch hin und wieder auf der Gitarre. Vor allem aber verzauberte sie das etwas schüchterne, sich noch in einigem Sicherheitsabstand zur Bühne aufhaltende Publikum mit ihrer wunderschönen, kräftigen und warmen Stimme. Obwohl man Mr. Sillas stark elektronisch geprägten Musikstil als unaufgeregt und entspannt bezeichnen könnte, eignen sich einige Songs des gleichnamigen Debüt-Albums mindestens ebenso gut zum tanzen wie zum einfachen, verträumten Mitwiegen im Takt der Musik. „Holding on“ ist da ein recht passendes Beispiel. Neu ist Sigurlaug Gísladóttir dem isländischen Musikenthusiasten dennoch nicht, war sie doch bereits unter anderem mit dem recht bekannten, elektronisch-experimentellen Projekt múm unterwegs. Warum sie momentan mit ihrem Debüt in Island in vieler Munde ist wurde an diesem Abend jedenfalls offensichtlich und das langsam auftauende Publikum verabschiedete sie auch mit viel Applaus, bevor sie durch die Menge direkt zum Merch stand eilte.

mr silla

Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause kam dann Sóley mit ihren beiden Tour-Musikern Albert Finnbogason (Gitarre) und Jón Óskar Jónsson (Drums) stilecht mit einer Tasse Tee, aus welcher noch der Teebeutel baumelte, auf die Bühne. Und mit den ersten Takten des Openers „And leave“ ging der Zauber Sóleys auf die nun dicht an der Bühne stehende Menge über und ließ sie in der folgenden guten Stunde nicht mehr los. Diese Musikerin ist live ein Erlebnis. Mit unwiderstehlichem Charisma, wunderbarem Humor und einer schlicht unbeschreiblich schönen Stimme gesegnet zog sie das Publikum völlig in ihren Bann. Instrumental wechselte Sóley zwischen dem für sie typischen Klavier und Keyboard/Synthesizern und streute hier und da außerdem ein paar großartige Loops ein. Wie bei einer zum Heulen schönen Version des ersten Songs ihres Albums „We sink“, „I’ll drown“. Über einen begeisterten Pfiff aus dem Publikum, welcher perfekt in den Loop passte, musste sie dann selbst auch schmunzeln. Auch wenn Sóley zweifellos im Mittelpunkt steht, ihren beiden ausgezeichneten Mit-Musikern hier mal ein extra Kompliment. Albert entlockte seiner Gitarre wundervoll düster-atmosphärische Effekte und unterlegte außerdem per Beatpad manche Songs mit tiefsten Sounds während Jón Óskars akzentuiertes, percussionlastiges Drumming den Klangwelten den rhythmischen Rahmen gab. Der Gefahr, dass das Publikum in den düsteren Kaninchenbau der unheimlichen, bisweilen alptraumhaften Märchenwelten von Sóleys Lyrics stürzt, begegnete sie zwischen den Liedern mit lustigen Anekdoten aus dem Alltag dieser Tour durch die Schweiz, Österreich, Ungarn und Deutschland, die mit diesem Konzert zu Ende ging. Wenn sie sich dabei selbst vor lachen nicht mehr halten kann, geht es auch den Anwesenden im E-Werk nicht anders.

Nach elf Songs ihrer beiden Alben „We sink“ und „Ask the deep“ schließt Sóley diesen großartigen Abend mit „Kill the clown“. Und bevor der letzte Ton verklungen ist, verabschiedet sie ihre Zuhörer mit zwei Takten „Jingle Bells“. Fröhliche Weihnachten, Sóley!

 

Setlist: And leave – Devil – The sun is going down II – Smashed birds – Halloween – One eyed lady – Pretty face – Ævintýr – I’ll drown – Follow me down – Kill the clown

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