Sigur Rós @Jahrhunderthalle, Frankfurt, 14.10.2017

Fast genau vier Jahre ist es her, als Sigur Rós ihr letztes Konzert in der Jahrhunderthalle in Frankfurt gaben. Vereinzelte Festival-Shows folgten, ansonsten gab es seitdem keine Chance mehr das Trio um Frontmann Jón Þór „Jónsi“ Birgissonin in Deutschland live zu erleben. Am 14.10.2017 kehrten die Isländer nun auf gleichen Boden zurück. Eine Vorband, wie I Break Horses beim letzten Konzert 2013, gab es wie angekündigt nicht. Stattdessen vier neue Lieder, eingebettet in ein 15 Stücke umfassendes zweiteiliges Liveset, das durch eine 20minütige Pause getrennt wurde.

Trotz deutlich angezogener Ticketpreise reihten sich auch zehn Minuten vor Konzertbeginn noch die Massen vor der Halle. Auch innen vor der Bühne gab es kaum mehr Durchkommen. Deutlich mehr Besucher als noch beim letzten Besuch, als es in den hinteren Reihen eher lichter zuging.

Der erste Set-Teil begann direkt mit dem neuen Titel Á. Ein zum großen Teil instrumentelles, durch tiefe Bässe und ein fortlaufendes Drumpattern getragenes ruhiges Stück, das sich erst gegen Ende durch Jónsis ansteigende Stimme etwas erhob. Mit überwiegend ruhigen Liedern ging es im ersten Teil des Konzerts auch weiter. Mit der Ausnahme von Glósóli, dessen gewaltiger Break nicht nur jenem Sigur Rós Konzert das, oder zumindest ein Highlight abgab und für viele weit geöffnete Augen und Münder sorgte. Wuchtige Drumschläge, ausbrechende Gitarren und auf der Leinwand im Hintergrund rauschten Dunst und Nebel auf das Publikum zu, als würde es selbst durchs Universum rasen.

Vor der Pause folgten noch die beiden Neukompositionen Niður und Varða. Ersteres könnte gut und gerne die neue Single des wohl früher oder später erscheinenden achten Studioalbums der Band werden, da es auf eine typischere Songstruktur zurückgreift und durchweg mit Textbegleitung eher poppig daherkommt. Mit Varða ging es dann wieder in die andere Richtung und direkt über die 10-Minuten-Grenze. Ein minimalistisch gehaltenes, sehr emotional-melancholisches Stück, in dem Georg Hólm sogar seinen Bass an Schlagzeuger Ágúst Ævar Gunnarsson weitergab, dessen Platz am Piano einnahm und das Stück mit einem wunderbarem Outro zur Pause beendete.

Die Bühnenaufbauten wurden gerichtet – der zweite Teil des Sets war vorbereitet. Diesen eröffnete die Band hinter der ersten Videoleinwand stehend mit Óveður, das düster wirkte und schon im letzten Jahr vorab veröffentlicht wurde. Eng standen die Musiker dabei beieinander, während zu jedem Schlag auf die elektronischen Drumpattern Blitze über die zahlreichen Leuchtinstallationen zischten.

Mit dem Gesamtfokus auf das Album ( ), folgten nun die bekannteren Stücke früherer Werke, angeführt vom „Hit“ Sæglópur, der schon bei den ersten Tönen das Publikum aufjubeln ließ. Dieses zeigte sich durchweg als guter Zuhörer und stiller Genießer. Nur wenige Unbelehrbare ließen sich nicht davon abhalten ihre Handys zu zücken und Song für Song in ein zweiminütiges Handyformat zu quetschen, dadurch den Blick der Umstehenden unausweichlich auf ein leuchtendes Display fixierend.

Nach dem üblicherweise letzten Stück Popplagið war Schluss. Ein Dank auf Isländisch – eine Zugabe gab es nicht und war auch nicht nötig. Lieber trat die Band noch ein weiteres Mal auf die Bühne, um sich den Dank des Publikums abzuholen und es mit der nötigen Anerkennung zu würdigen.

Soundtechnisch war das Konzert in der für ihren großartigen Klang bekannten Jahrhunderthalle ein nicht zu toppen. Auch die Animationen und Lichtinstallationen waren perfekt abgestimmt und nochmals aufwendiger und imposanter im Vergleich zu vorherigen Shows gestaltet. Die Lichtshow noch größer aufzubauen, macht wenig Sinn. Schon jetzt gerieten die Musiker dadurch zusehends selbst in den Hintergrund. Bei all den Aufbauten und Videokünsten wirkte das Trio zeitweise etwas klein, auf so großer Bühne mit so viel Licht und Animation. Ein bewegendes Konzert besteht eben nicht nur aus Show, sondern sollte auch eine persönliche Bindung zwischen der Band und dem Publikum verspüren lassen.

Set 1: Á / Ekki Mukk / Glósóli / E-Bow / Dauðalagið / Niður / Varða
Set 2: Óveður / Sæglópur / Ný Batterí / Vaka / Festival / Kveikur / Popplagið

 

 

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