Reingehört: Kiriyama Family – Waiting for…

Kiriyama Family

Kaum zu glauben, aber der Frühling ist jetzt dann doch mal da. Abends draußen hocken am See in kurzen Hosen und T-Shirt, was gibt’s schöneres? Vielleicht noch die passende, luftige und beschwingte neue Musik dazu! Wir hätten da einen Vorschlag – und ihr könnt uns glauben, wenn wir sagen: das ist ein wirklich guter Vorschlag. Denn mit „Waiting for…“ erscheint heute in einer Woche das zweite Studioalbum der inzwischen auf sechs Mitglieder angewachsenen Kiriyama Family, und wir haben für euch vorab rein hören können.

kiriyama family

Hierzulande noch völlig unbekannt, und wahrscheinlich selbst jenen, die es doch so ein wenig mit der isländischen Popmusik halten, nicht unbedingt ein Begriff, haben sie in Island mit ihrem selbstbetitelten Debüt 2012 für einige Furore gesorgt. Der Song „Weekends“ schaffte es z.B. zu einer Top-Platzierung in den isländischen Radiocharts. Und beide Singles der neuen Platte, „Innocence“ und „Chemistry“ taten es „Weekends“ gleich. Aber der Reihe nach.

Gut vier Jahre sind eine veritable Zeit in der Popmusik zwischen zwei Alben. Und in dieser langen Zeit tat sich so einiges in der Familie. In Gestalt von Keyboarder Bjarni Ævar Árnason und Sängerin Hulda Kristín Kolbrúnardottir bekamen die vier Kernmitglieder Karl Bjarnarson (Vocals, Gitarre, Bass und Keys), Guđmudur Jónsson (Gitarre, Bass und Keys), Viđir Björnsson (Gitarre, Bass und Keys) und Bassi Ólafsson (Drums und Percussion) Zuwachs. Mitten in in der Entstehung des Albums, noch früh genug allerdings, um dessen Charakter entscheidend mitzuprägen. Und dieser geht auf „Waiting for…“ noch viel geradliniger Richtung glitzerndem 80er Synthiepop , als es der Vorgänger hier und da schon angekündigt hatte, sich dann aber doch nicht immer zwischen Synthesizer dominiertem Indietronic („Sneaky Boots“) und Indie-Pop-Rock (das umwerfend schöne „Portobello“) entscheiden konnte. Was man allerdings dem Erstling nicht wirklich ankreiden möchte, denn in beiden Richtungen lieferte die Kiriyama Family dort etwas ab, was andere kaum erreichen, die sich auf eine der beiden Spielart beschränken.

Jetzt also übernehmen vor allem die Keys & Computer das Zepter und der Opener „About you“ steht gleich stellvertretend für gut die erste Hälfte der neun Songs langen Platte. Aus einem gedämpften Hintergrund wabern sich neblige Sounds nach vorne, die sich alsbald lichten und der ersten erste Synthie-Ohrwurm-Melodie Platz machen, getragen von verdammt groovigen Drums, bevor Karl’s äußerst geschmeidige Vocals einsetzen. Es geht um die Liebe und die Sehnsucht, wie es sich gehört: „I wanna be the one / who sets fire to your heart“. Und wie ein Funken glimmt Hulda’s Stimme erstmals in den backing vocals auf und man kann erahnen, was daraus noch für ein Leuchtfeuer werden könnte. Lange muss man nicht darauf warten. „Light years away“ beginnt ähnlich wie „About you“ zuvor aus dem Off und ist wunderbar funkig – nicht nur hier ein Verdienst von Bassi’s großartig messerscharfem Drumming. Sanft umhüllt wird es dann von einer Stimme, die vielleicht zu den talentiertesten auf der Insel zu zählen ist: jener von Hulda Kristín Kolbrúnardottir. Gefühlvoll-ruhig kann sie ebenso perfekt wie kraftvoll-laut, wow-Momente sind garantiert. „Apart“ schaltet dann einen halben Gang zurück – Trennung ist eben auch nicht das euphorischste Thema: „All I can say is that we’re meant to be apart / And all I can do is hope that you don’t catch my heart off guard“. Dann aber kommt die erste Single und aller Kummer ist verflogen. „Innocence“ ist der perfekte Popsong: ein unglaublich eingängiger Beat, tolle Chöre, ein hymnischer Refrain, ein ruhiges Break bevor einem im Finale Hulda ihre Stimme in den Gehörgang schmettert, dass es eine wahre Freude ist. Der Gipfel in einer Reihe von Höhepunkten auf „Waiting for…“ und eine sowas von verdiente Single. Nach der zweiten Auskopplung, dem ebenfalls schmissigen „Chemistry“, bringt „Push further“ so etwas wie einen kleinen Stilwandel, denn bis zum finalen „Waiting for your love“ dominieren dann eher langsamere, auch textlich nachdenklichere, ernstere und weniger eingängige Stücke. Mit „While you wait“ mischt sich sogar eine pompöse und vor allem instrumentale 80er Power-Ballade darunter.

Die Kiriyama Family zeigt sich also auch nach dem eingeschlagenen Synthiepop-Weg dennoch abwechslungsreich, was vor allem auch am Wechsel der lead voice zwischen Hulda und Karl liegt, die beide phantastische Gesangsqualitäten an den Tag legen. Die Scheibe ist sehr eingängig, vor allem in der ersten Hälfte, dabei jedoch nicht im entferntesten einfach gestrickt oder gar poppig seicht. Das weiß das funkig-groovige Songwriting ebenso zu vermeiden, wie auch die etwas kantigeren Kompositionen der zweiten Hälfte. Ganz abgesehen davon, dass alle sechs tolle Musiker sind, die ihre Instrumente blind beherrschen und zusammen eine ansteckende „Chemistry“ entwickeln. Man kann daher nur hoffen, dass es Hulda, Karl, Guđmudur, Viđir, Bassi und Bjarni mit ihrem Album auch für ein paar Live-Termine nach Deutschland verschlägt.

„Waiting for…“ ist es wirklich sehr wert, darauf zu warten und zum Glück ist für alle das warten bald vorbei: am 1. Juni erscheint das Album!

Maybe...

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