Reingehört: Júníus Meyvant – Floating Harmonies

Beinahe quälend lang mussten wir drauf warten, denn schon früh wurde mit einer wundervollen EP die Vorfreude ordentlich geschürt. Aber nun ist es endlich so weit und Unnar Gísli Sigurmundsson, der uns allen besser bekannt ist als Júníus Meyvant, beglückt uns mit seinem ersten Album in voller Länge: Floating Harmonies. Denkt man mal beim Hören des 12 Stücke umfassenden Erstlings ein bißchen über diesen Titel nach, so kann man zu dem Schluss kommen, dass er besser nicht hätte gewählt sein können. Júníus‘ zum allergrößten Teil eigene Kompositionen schweben luftig-leicht, aber alles andere als seicht, aus den Boxen. Man fühlt sich auch fast selbst ein wenig leichter und lockerer. Und das nicht erst beim Refrain des vielleicht großartigsten Stücks einer Platte ohne wirkliche Schwächen, Neon Experience. Schon der überraschend instrumentale Auftakt Be a man gibt die Richtung an, welcher man Júníus in den anschließenden gut 53 Minuten bereitwillig folgt. Praktisch ohne Anlaufzeit schlägt einem der volle Júníus-Meyvant-Sound entgegen, fast schon im Stile einer Big Band, mit sich im Verlauf des Songs in euphorische Höhen steigernden Melodien, getragen von Streicher- und Bläserensembles. Verglichen damit kommt Beat Silent Need mit seinem Percussion-Intro  hingegen erstmal fast schon auf Zehenspitzen trippelnd daher, mit einem filigranen Gitarrenriff im Hintergrund und erstmals auch Júníus‘ großartiger, unverwechselbarer und leicht rauchiger Stimme. Einer Stimme, die in ihrem melancholischen Grundton nicht nur den nachdenklicheren Songs bestens zu Gesicht steht sondern auch den fröhlichen einen schönen Kontrast verleiht.  Color Decay gehört dann, wie auch im weiteren Verlauf das schon erwähnte Neon Experience, Hailslide, Mighty Backbone, Gold Laces und Signals zu den bereits in den vergangenen Jahren auf der EP und als Singles erschienenen Songs. So etwas wie eine erste Verschnaufpause bietet die von akustischen Gitarren getragene Ballade Domestic Grace Man. Wenn man es denn so bezeichnen möchte, denn eine Verschnaufpause braucht man ja eigentlich nur bei Anstrengung, die aber in keinem Augenblick aufzukommen droht. Aber dieser Song bewegt einen doch eher zum gedankenverlorenen Träumen denn zum Zucken mit dem Tanzbein und steht damit stellvertretend für die andere der beiden Seiten der Musik Júníus Meyvants, die sich auch in Gold Laces, Manos und dem zum Heulen schönen Signals wieder findet. Damit man sich nicht völlig davon träumt gibt’s aber zwischendrin noch das schmissige Mighty Backbone, das sich in seiner zweiten Hälfte fast schon hymnisch steigert.

Floating Harmonies ist ein Album ohne Ecken und Kanten, aber auch eines, das diese Ecken und Kanten gar nicht braucht, um zu überzeugen. Eines, das man immer hören kann und überall.

Maybe...

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