Lord Pusswhip bringt Isländischen Hip-Hop nach Berlin

Lord Pusswhip sollte jedem bekannt sein, der sich schon mit isländischem Hip-Hop auseinandergesetzt hat. Wenn nicht, wird es höchste Zeit Þórður Ingi Jónsson und seine Musik kennenzulernen. Als ich im letzten Semester an meinen Projektarbeiten geschrieben habe, hörte ich das Album Lord Pusswhip Is Wack sehr oft. Es war die perfekte Mischung zwischen fetten Sounds für meine Texte und entspannten Klängen um runter zu kommen.

Letztes Jahr im August war Þórður bei Björk´s Aftershow Party nach ihrem einzigen Konzert in Berlin, in der Zitadelle in Spandau. Er war so inspiriert von dem überwältigenden DJ Set an diesem Abend, dass er sich kurzerhand dazu entschied nach Berlin zu ziehen. Einige Monate später sitzt Þórður auf einer Bank im Prenzlauer Berg, trinkt sein Lieblingsbier „Einstök“ und spricht über die isländische Musikszene, seine Liebe für Horrorfilme und was ihn dazu inspiriert hat, Musik zu machen.

Wie kam es zu der Idee nach Berlin zu ziehen und welche Möglichkeiten siehst du hier?

Nachdem ich letzten Sommer hier war, habe ich irgendwie aus einer Laune heraus entschieden nach Berlin zu ziehen. Berlin gibt mir auf der einen Seite die Möglichkeit meinen Horizont zu erweitern, und auf der anderen Seite die Chance ein größeres Publikum zu erreichen. In Island wird alles nach einer Weile zur Routine, also war es der richtige Zeitpunkt um das zu ändern.

Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen Berlin und Reykjavík, bezogen auf die Musikszene beider Städte?

Weißt du, in Reykjavík fühlt es sich so an als gäbe es eine Szene, in der jeder jeden kennt. Deshalb ist es nicht sehr schwer Leute zu erreichen. Berlin dagegen ist sehr groß und die verschiedenen Szenen sind ziemlich verstreut und interagieren nicht wirklich untereinander. Hier ist immer so viel los, sodass jeder irgendetwas finden kann was seinen oder ihren Geschmack trifft. Ich weiß das es hier nicht wirklich eine große Hip-Hop Szene gibt, aber somit gibt es mehr Raum um eine Szene zu kreieren.

Unter anderem hast du Songs für ziemlich bekannte amerikanische Künstler wie T@ Kid oder Antwon produziert. Wie hast du es geschafft Beziehungen zu Künstlern wie diesen aufzubauen?

Das war lange nachdem ich in den Staaten gelebt habe, denn als ich dort gewohnt habe war ich etwa 14 Jahre alt und habe noch keine Musik produziert. Ich schätze, es ist einfach das Phänomen des Internets, was es Künstlern wie mir ermöglicht Rapper zu finden die sie mögen, und diese dann auch irgendwie zu erreichen. Wenn dieser Rapper dann meine Beats gut findet, kann ich jemanden den ich selber gerne höre auf meine Beats aufmerksam machen, was sich wirklich großartig anfühlt. T@ Kid nennt sich jetzt Bones. Ich habe in 2012 für ihn produziert, bevor er so steil ging. Mittlerweile ist er ziemlich groß. Mit Antwon ist es eine längere Geschichte. Ich habe ihm Beats gesendet und er fand sie auch gut, letztendlich ist aber nichts dabei herausgekommen. Aber dann hat Ben Cook von der kanadischen Band Fucked Up (die auch beim Iceland Airwaves aufgetreten ist) die Verbindung wieder hergestellt. Er kannte Antwon aus der Hardcore Szene. Danke an Ben Cook der dies ermöglicht hat. Aber ja, es ist so ziemlich die Macht des Internets.

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Und wie ist es bei all den Isländischen Künstlern mit denen du zusammen gearbeitet hast? Resultierte das aus dem jeder-kennt-jeden Netzwerk oder war das speziell für dich?

Das war im wesentlichen die Idee für mein Debut Album, welches eher eine Compilation ist. Es wurde in Zusammenarbeit mit Leuten aus ganz Island produziert. Ich hab mir die Künstler rausgesucht, die ich aus der isländischen Szene am meisten mag. Wie ich schon sagte, das ist so ein dichtes Netzwerk, ich kannte die meisten von den Leute bereits.

Hast du Lieblingskünstler oder welche, die dich dazu inspiriert haben das zu tun was du heute machst?

Da gibt es viele. Ich fing an Musik zu machen als ich 11 oder 12 Jahre alt war. Meine Freunde und ich waren in einer Punk Band, also war ich als Kind ein großer Punkrocker. Ich schätze, dass hatte einen ziemlich großen Einfluss auf meine Musik. Auch die ganze do-it-yourself Umsetzung hat mich inspiriert. Ich könnte dennoch 2 Produzenten nennen, die mich dazu inspiriert haben Beats zu produzieren. Das sind El-P von Company Flow und Run the Jewels, und SpaceGhost Purrp. Das war circa 2010/2011 als ich anfing, Beats zu machen.

Deine Musik Videos haben eine sehr speziellen Stil, bezogen darauf wie sie gefilmt wurden. Woher nimmst du die Ideen dafür?

Bezogen auf die Aufnahmen im VHS Stil liegt das ganze sicher daran, dass ich ein großer Filmfan bin und schon immer Kult- und Horrorfilme geliebt habe. Das ist so ein Nostalgie Ding mit den VHS Kassetten. Das kannst du auch an unseren T-Shirt sehen, die wir letztes Jahr gemacht haben. Es zeigt ein typisches Cover einer alten VHS Kassette die man üblicherweise in einer Videothek finden würde. Es hat das Band sowie den FSK- und VHS Sticker darauf. Bei den Musikvideos auf YouTube haben ziemlich viele Leute geholfen. Zum Beispiel mein Bruder der manchmal als Art Director tätig ist. Manchmal haben auch andere Leute Regie geführt. Aber ich habe letztendlich immer noch eine Vorstellung davon, wie es am Ende aussehen soll.

Wie in Psychoplasmics – hast du dafür vorhandenes Material benutzt oder wurde der ganze Film nur für das Musikvideo gedreht?

Ich war auf der High School in Dänemark als mein Freund Alfred mich besuchte. Wie haben den Song in der Schule aufgenommen und es war irgendwie anders, da wir sehr viele Instrumente für die Aufnahme benutzt haben. Am Ende waren wir so glücklich damit, dass wir uns dazu entschiedenen ein Musikvideo zu drehen. Das Video wurde speziell für den Song aufgenommen. Ich kam gerade zurück aus Dänemark und hatte eine Art Welcome Home Party. Ich borgte mit eine VHS Kamera und filmte das meiste in einer Nacht. Ich erinnere mich das ich am nächsten Tag aufwachte und dachte – „Moment, wo ist die Kamera? Mist, wo ist die Kamera?“ Ich flippte aus denn ich war in der Nacht zuvor so betrunken und dachte ich hätte die Kamera verloren. Aber glücklicherweise folgte mir der Besitzer der Kamera wie ein Schatten die ganze Nacht hindurch, und nahm sie mir an einem späteren Zeitpunkt ab. Zum Glück!

Wie sieht eine ideale Zukunft für dich in Berlin aus?

Als DJ live zu spielen und für verschiedenen Leute zu produzieren, sodass ich daraus meinen Lebensunterhalt verdienen kann, das wäre mein Traum. Ich würde gern jede Woche spielen, was im Moment nicht der Fall ist, auch wenn ich einige bevorstehende Shows habe. Aber ja, es wäre super mehr eingebunden zu sein. Ich bin ja relativ neu eingetroffen und hoffe das sich alles bald ergibt.

Auf welchen deiner Songs bist du besonders stolz?

Im Moment würde ich entweder sagen Psychoplasmics oder ein Song von meinem Debut – Endurminning mit Lauren Auder, einer meiner Freunde der in Frankreich lebt. Das ist auch einer der meist gehörten Songs von deinem Album auf Soundcloud. Ja, das stimmt. Glücklicherweise. Dazu wird es auch bald ein Video geben.

Welcher ist dein Lieblingssong im Moment? Hast du irgendwelche Empfehlungen?

Ich versuche immer neue Musik zu entdecken… Aber ich entscheide mich für die nicht-musikalische Antwort. Ich höre ziemlich viele podcast´s in letzter Zeit, vor allem eines was “Last podcast on the left” heißt. Darin geht es um Serienkiller, Aliens und Verschwörungstheorien, sowas Ähnliches. Das gibt mir irgendwie viel Inspiration. Also ja, ich nehme die nicht-musikalische Antwort. Mit fällt im Moment kein Lieblingssong ein.

Hast du Lieblingskünstler aus Berlin?

Die ganze „futuristic club music“ wie die Janus Crew. Das DJ Set von Arca und Lotic bei Björk´s afterparty war so überwältigend, dass es mich irgendwie zum Umziehen motiviert hat. Ich erinnere mich daran, dass ich am Tag danach einen Mix für Berlin Community Radio gemacht habe. Ich wachte nach der Party auf und habe den ganzen Mix innerhalb von 2 Stunden fertig gehabt da ich noch immer so inspiriert von dem Set war. Das war wirklich „next level“ und ziemlich fortschrittlich meiner Meinung nach.

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Gibt es Musik in Berlin die du nicht magst?

Ich würde sagen, dass ich nicht der größte Techno Fan bin. Es ist komisch nach Berlin zu ziehen, ohne ein großer Techno Fan zu sein. Meine einzige Beanstandung an der Musik Szene in Berlin wäre: Ja Techno ist okay, aber es wird einfach überall gespielt. Manchmal gehst du in einen Club, sogar in einen großen Club und die haben 4 verschiedenen Floors – dann möchtest du einen andere Floor auschecken und es läuft genau der selbe krasse Hardcore Techno wie in den anderen Räumen. Man sollte meinen das es zumindest einen Raum zum chillen mit etwas entspannterer Musik gibt. Das ist aber meistens nicht der Fall. Es gibt nur ntz ntz ntz ntz überall.

Das höre ich andauernd. Viele Leute sind es leid auf Techno Partys zu gehen und wünschen sich mehr

Abwechslung, zum Beispiel mehr Rock oder Hip-Hop.
Wie ich zuvor bereits sagte, in diesem Kontext ist die Hip-Hop Szene nicht wirklich groß, aber dafür ist sie offen für neue Sachen. Manchmal ist es seltsam als Hip-Hop Produzent aus Island nach Berlin zu ziehen. Aber ich sehe das positiv, da es viele Möglichkeiten eröffnet. Kennst du die Leute von Live From Earth? Die haben mich zuerst kontaktiert als ich hergezogen bin und nun habe ich diese 2 Shows mit denen, was ziemlich cool ist.

Hast du einen Lieblingsclub in Berlin, oder einen wo du oft hingehst?

Ich würde sagen das Ohm. Wenn du ins Ohm gehst gibt es nicht diese typische Techno Musik von der ich sprach. Meistens haben sie dort etwas anderes als diesen harten Techno. Sie haben mehr Abwechslung schätze ich. Ich war kürzlich zu ersten Mal im Berghain, was definitiv interessant war. Aber ich habe noch keinen Plan welcher Club der angesagteste ist. Ich bin relativ entspannt seit ich hier her gezogen bin und gehe nicht extrem oft feiern.

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Kommende Veranstaltungen:
March, 15th – Support act at Noisey Nights x Live From Earth

Das Interview wurde am 01. März 2016 von Steffi Meisl durchgeführt.
Fotos: Steffi Meisl

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