Interview mit der Post-Rock Band VAR

Immernoch liegt der Winter über Europa. Glücklicherweise kann die Post-Rock Band VAR dazu gerade den perfekten Soundtrack liefern. Deren neues Album hört auf den Namen Vetur, was Isländisch ist und zu Deutsch eben genau mit „Winter“ übersetzt werden kannt. Das Album wurde erst im Dezember bei einem japanischen Label veröffentlicht und wird auch bald schon bei Spotify und iTunes zu finden sein.

VAR © Júlíus Óttar Björgvinsson

Klavier, spährische Gitarren, sich aufbauende Schlagzeugrythmen und die Kopfstimme von Sänger Júlíus – der Sound von VAR ist definitiv nicht weit entfernt vom „großen Bruder“ Sigur Rós, besonders verglichen mit deren älteren Material. Dennoch haben VAR auf jeden Fall ihren eigenen Sound. Mit ihnen wächst vielleicht eine neue isländische Post-Rock Größe heran.

VAR ist mittlerweile ein Quintett, das zunächst mit Júlíus Óttar Björgvinsson (vielleicht von Low Roar bekannt) und Myrra Rós Þrastardóttir (bekannt mit ihrem Soloprojekt) begann und dann durch Egill Björgvinsson, Arnór Jónasson und den For a minor reflection Drummer Andri Freyr Þorgeirsson erweitert wurde.

Dankbarerweise konnte uns Júlíus einige Fragen zum neuen VAR Album beantworten, in dessen Trailer hier direkt reingehört werden kann:

Zuallererst Júlíus, für Leute, die noch nie zuvor von VAR gehört haben, wie würdest du eure Musik mit drei Worten beschreiben?

Ehrlich, einfach und energetisch.

Ich habe eure Musik auf dem Iceland Airwaves 2014 entdeckt. Es war gegen Ende des Festivals, ich hatte etwas Zeit übrig bis zur nächsten Band, die ich sehen wollte, also schaute ich einfach mal in der Bar 11 vorbei. Und ich war sofort hin und weg. Der Klang erinnerte mich sofort an Sigur Rós. Doch dank der kleinen gemütlichen, aber gut gefüllten Bar war es eine viel intimere Atmosphäre als bei großen Sigur Rós Konzerten. Letztendlich wurde das Konzert zu einem meiner Lieblingsauftritte des gesamten Festivals und ich habe es wirklich bereut, nicht schon einige der vorhergehenden VAR-Shows auf dem Festival gesehen zu haben.

Ein paar Monate vor dieser Zeit, im August 2014 habt ihr eine EP veröfentlicht. Was ist in der Zwischenzeit mit eurer Band voran gegangen?

Wir haben neue Songs geschrieben, an denen wir gearbeitet haben, haben diese live gespielt und anschließend wieder weiter an ihnen herum gebastelt bis wir ein bisschen Material zusammen hatten um unser Album Vetur aufzunehmen, das gerade als besondere Japan-Veröffentlichung heraus kam. Das Album umfasst unsere alte EP – neu aufgenommen, vier neue Stücke, die wir noch nicht veröffentlicht haben und zwei weitere, die wir vor kurzem herausgebracht haben.

Im Dezember 2016 wurde euer neues Album in Japan veröffentlicht. Wie kam es dazu, dass ihr es bei einem japanischen Label herausgebracht habt?

Der Chef vom japanischen Label Rimeout Recordings hat uns einfach kontaktiert. Er hat zufällig unseren Song “Á kaf” bei Youtube entdeckt und uns eine E-Mail geschickt, in der uns fragte, ob wir nicht mit ihm eine besondere Japan-Version veröffentlichen möchten. Wir dachten sofort, das ist fantastisch.

Wann werden die Leute in Europa die Chance bekommen eure neuen Songs zu hören? Ich habe gelesen sie werden bald auf iTunes und Spotify veröffentlicht?

Ja, wir werden sie wirklich bald auf iTunes und Spotify veröffentlichen. Hoffentlich im Februar. Wir versuchen gerade ein gutes Datum dafür zu finden, zu dem dann auch ein Release-Konzert in Island stattfinden soll.

Ist eine CD oder Vinylversion auch geplant für Europa? Oder müssen die Leute einfach eine Scheibe aus Japan ordern oder einfach zu einem eurer Konzerte kommen?

Wir würden wirklich gerne. Aber gerade gibt das unser Budget nicht her. Aber wir hoffen auf eine Vinylveröffentlichung. Das wäre wirklich fantastisch, wenn das klappen würde. Unser Plan ist bis jetzt nur eine digitale Veröffentlichung. Aber es gibt ein paar Seiten, auf denen man es auch aus Japan bestellen kann, wenn man diese besondere Veröffentlichung haben möchte. Ich denke der einfachste Weg ist einfach an Rimeout Recordings zu mailen. Auch er hat aber nur CDs produziert.Die Vinyl-Version muss also warten. Wir werden bald auch ein paar CDs auf unseren Konzerten verkaufen, die uns aus Japan zugeschickt werden. Deswegen ja, bald auch auf unseren Shows!

Euer Albumcover zeigt einen vereisten Wasserfall und das Album selbst heißt Vetur, was auf Isländisch für Winter steht. Wieso? Habt ihr das Album in Winter geschrieben oder aufgenommen, handeln die Texte vom Winter oder fühlen sich die Songs einfach nach Winter an?

Naja, zum Glück kannten wir da den deutschen Fotografen Jürgen Waffenschmidt, der viel Zeit damit verbracht hat die isländische Natur zu fotografieren. Als wir uns dann Gedanken über das Cover machten, fragten wir bei ihm nach, ob wir seine Aufnahmen nach einem passenden Cover Artwork durchforsten dürften. Er erlaubte es uns und wir entschieden uns für dieses hier, weil wir fanden, dass es in einer Weise zur Musik passt. Außerdem hat „Back Home“, der erste Song auf der CD, den Arbeitstitel „Vetur“ getragen, deshalb entschieden wir das Album so zu nennen. Ganz einfach.

Ich denke die meisten eurer internationalen Hörer können eure isländischen Texte gar nicht verstehen. Wovon handeln denn generell eure Texte?

Erinnerungen. Beliebiges Dinge. Lustige Nebentatsache: Ich bin nicht besonders gut in Englisch. Um ein Beispiel zu nennen, Myrra schreibt gerade dieses Interview für mich, weil sie „ein bisschen“ besser darin ist. Aber nur „ein bisschen“, haha. Manchmal kommen die Lyrics einfach zu mir oder ich brabbel irgendetwas vor mich hin und Myrra schreibt etwas auf, von dem sie „denkt“, dass ich es singe. Und von da aus starten wir dann. Ich arbeite mit dem Klang der Stimme, wenn ich die Stimmzeilen schreibe. Den Text arbeite ich dann erst später aus.

Wie wichtig sind die Texte für eure Band? Kann es auch passieren, dass ihr eines Tages nur noch instrumentelle Songs schreiben werdet?

Natürlich sind die Texte immer wichtig.Ich glaube es wäre wirklich traurig, Texte zu schreiben, die dir nichts bedeuten oder die keine spezielle Bedeutung haben. Aber es ist eine lustige Frage, weil unser neuester Song an dem wir gerade arbeiten tatsächlich rein instrumentell ist. Und wir denken wirklich gerade darüber nach, ob wir es nicht so beibehalten sollten.

Plant ihr irgendwelche Auftritte innerhalb Europas oder ist vor allem etwas in Deutschland geplant?

Es wäre wirklich toll durch Europa zu touren und dort ein paar Konzerte zu spielen, aber wir werden sehen was die Zukunft bringt. Zumindest wären wir bereit dafür.

Und letzte Frage: Kannst du vielleicht drei (isländische) Künstler, Alben oder Songs nennen, die du gerade besonders gerne hörst?

Wow, das ist eine schwere Frage. Es gibt so viele. Aber nur um etwas zu sagen, Myrra hat dieses großartige alte Album gefunden, das sie mir in einem Second-Hand Shop gekauft hat. Es ist ein Album das ich schon länger haben wollte und dort hatten sie es in nagelneuem Zustand. Das Album ist von einem Kerl namens Stefán Íslandi, ein Opernsänger, der jahrelang an der Königlichen Oper in Kopenhagen gearbeitet hat. Auf dem Album sind auch noch wunderschöne Chorgesänge, das ist etwas was ich wirklich gerne mag.

Danke für das Interview, Júlíus!

 

Das Interview wurde aus dem Englischen übersetzt.

Wenn ihr jetzt mehr von VAR hören möchtet, ihre letzte EP ist direkt hier bei Bandcamp zu finden. Wir werden euch außerdem wissen lassen, sobald ihr neues Album über Streamingdienste zur Verfügung steht!

Kafbátur EP by VAR

 

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