Reingehört: Sin Fang – Spaceland

Mit seinem neuen, am 16. September via Morr Music erscheinenden vierten Album „Spaceland“, begibt sich Sindri Már Sigfússon mit seinem Soloprojekt Sin Fang auf neue Wege. In den drei bereits erschienenen indie- und folklastigen Vorgängeralben spielten elektronische Elemente bisher, wenn überhaupt, nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ganz im Gegensatz dazu sein neues Album, bei dem nun komplett auf Gitarren verzichtet wird und stattdessen die Tür hin zu elektronischer Musik und gar Richtung Future R&B weit offen steht. Seit Sin Fangs Mitwirken im Trap-Experiment Gangly war dieser Umschwung jedoch absehbar. Melancholisches und extrem intimes Songwriting zu trägen, bis treibend-stampfenden Bässen, aber auch sanfte Klavierklänge machen das Album zu einem abwechslungsreichen und rundum gelungenen Gesamtwerk. Zu hören gibt es das Album sogar jetzt schon!

Nicht nur im Anfangsstück Candyland des Albums hatte Sin Fang Unterstützung bekannter Musiker. Neben dem Sigúr Rós-Frontmann Jónsi im genannten Stück ist außerdem seine Seabear-Kollegin Sóley, die Norwegerin Farao sowie Jófríður Ákadóttir (Pascal Pinon) zu hören.

Album Cover © Ingibjörg Birgisdóttir
Album Cover © Ingibjörg Birgisdóttir

Tiefe, stampfende Bässe und düstere Lyrics

Im Pop-Opener Candyland ergänzen sich Sin Fang und Jónsi stimmlich so weit, dass deren sanft-flüsternder Gesang nur schwer voneinander zu unterscheiden ist. Zusammen mit den Lyrics macht sich ein Gefühl von Schwerelosigkeit breit. Durch die treibenden Hi-Hats bekommt man nicht zum letzten Mal im Verlauf des Albums das Gefühl, als würde man auf einer Eisscholle in isländische Gletscherseen hinaustreiben. Auch das zweite Stück steht dem in nichts nach. Stampfende Bässe begleiten die stets wiederholte Zeile in Not ready for your love. Ohne selbst mit zu wippen schafft man es wohl nur schwer über die 3:52 hinweg. Die Frage „Why is ordinary life such a nightmare?“ steht dabei im Raum und wird auch später in Snowblind erneut aufgegriffen. Sin Fang unterstreicht damit seine Aussagen in vorausgehenden Interviews, dass das Album in einer Zeit entstanden sei, in der Panikattacken anfingen ihn zu verfolgen.

Die ruhiger ausfallenden tiefen, schleppenden Bassklänge in den darauffolgenden Lost Girl und I want you to know bringen den R&B schließlich mehr in den Vordergrund. Eine träumerische, teils fast schon paralysierte Grundstimmung scheint sich breit zu machen und führt direkt weiter in die sanfte Piano-Ballade Never Let Me Go, die durch die Beteiligung von Sóley nur noch mehr an Qualität gewinnt.

Mit den beiden Stücken Please Don’t Go und Branch erreicht das Album schließlich einen weiteren Höhepunkt. Eine stampfende Basedrum bringt den Pre-Chorus von Please Don’t Go voran, hinterlegt mit wunderbar schwerelosen Lyrics („When I feel the weight / when I feel the sparks running through mine / I lay down / I don’t make a sound“), bevor der Refrain schließlich, begleitet von gedämpften Dubstep-Elementen, in die Titelzeile „Please Don’t Go“ übergeht. Branch wiederum trägt eine euphorische, fröhlichere Stimmung als die anderen Stücke, trotzdem bleiben die Lyrics düster („Oh I was lonely / but that’s the way it’s supposed to be“). Durch pulsierende, sich zunehmend aufbauende Schlagzeugrhythmen steigert sich der Song schließlich in ein Power-Pop Outro und weckt Assoziationen an eine Mischung aus Owl City und den aufwendig inszenierten Rhythmus-Stücken wie z.B. Around Us aus Jónsis Soloalbum.

Snowblind schaltet noch einmal zwei Gänge herunter, bevor das Album schließlich im fulminanten Down in Begleitung der wunderbar harmonierenden Stimme Jófríður Ákadóttirs nicht besser enden könnte. Ein ruhiges, pathetisches Stück, erneut mit Klavierbegleitung und fantastischen Lyrics, die zuletzt wieder etwas mehr Hoffnung in Aussicht stellen.

Fazit

Insgesamt breitet sich die melancholische, an manchen Stellen schon depressive Grundstimmung der Texte über das gesamte Album hinweg aus. Dazu passend, spielt auch das Bild des Fallens vor allem in den Stücken zu Beginn des Albums immer eine Rolle. Sin Fangs kühle, sanft-träumerische Stimme harmoniert dazu mehr als perfekt. Ein Album mit vielerlei innovativen Einflüssen – statt Folk, gibt es nun einen Mix aus R&B, Electropop, Dream und Trap. Ein wohlklingendes Gesamtwerk also, das durch die Bank eigentlich mit jedem Song zu überzeugen weiß und kaum Schwachstellen aufweist. Besonders für das Songwriting lohnt es sich genauer hinzuhören.

Anspieltipps: Not Ready For Your Love // Please Don’t Go // Branch // Down

Sindri Már Sigfússon - © Ingibjörg Birgisdóttir
Sindri Már Sigfússon – © Ingibjörg Birgisdóttir

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