Agent Fresco @Club Stereo, Nürnberg, 8.12.2015

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Eigentlich ist das hier ja ein Review über zwei Konzerte. Denn bereits am Tag zuvor, dem 7. Dezember, gaben sich die vier Math-Rocker von Agent Fresco im Münchener Ampere in den Muffatwerken die Ehre. Und was liegt, bei gerade einmal einer guten Stunde Fahrzeit zwischen München und Nürnberg, näher, als sich dieses Spektakel am nächsten Tag gleich nochmal zu gönnen?

Agent Fresco @Ampere, München, 7.12.2015

Also am Montag erstmal ins Ampere. Zu Beginn war die Überraschung recht groß ob des geringen Andrangs. Das hat allerdings zumindest den Vorteil, dass dieser auch an der Garderobe und Bar gering ist. Glücklicherweise aber trudelte dann auch während des Supports von The Charles, welche trotz ihres jungen Alters einen formidablen Blues-Rock’n’Roll alter Schule darboten, doch immer mehr Publikum ein, sodass das kleine Ampere zwar nicht ganz ausverkauft, aber zumindest gut gefüllt Arnór Dan Arnarson (Vocals/Piano), Hrafnkell ‚Keli‘ Örn Guðjónsson (drums), Vignir Rafn Hilmarsson (Bass) und Þórarinn ‚Tóti‘ Guðnason (Gitarre/Piano) in Empfang nehmen konnte. Mit „Anemoi“ und „He is listening“ bildeten die beiden ersten Tracks ihres bereits fünf Jahre alten Debüt-Albums „A long time listening“ den Auftakt. Und was sich da schon erahnen ließ, zog sich im Anschluss leider durch das Konzert durch: eine eher suboptimale Abmischung des Sounds. Keine Vorwürfe an Agent Fresco. Aber leider ging, zumindest front of stage, die Stimme von Arnór zumeist in den Instrumenten unter. Ob das evtl. weiter hinten anders war – anzunehmen. Denn das Publikum ging gut mit. Aber da unsereins außer den immerhin phänomenalen instrumentalen Darbietungen nicht wahnsinnig viel mitbekommen konnte, komme ich sogleich zu…

Agent Fresco @Club Stereo, Nürnberg, 8.12.2015

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Wer das Stereo und Agent Fresco kennt konnte in etwa erahnen, was da auf den Bevölkerungsanteil zukommen würde, welcher sich an diesem Dienstag Abend im Keller eines Hauses in der Klaragasse eingefunden hatte. Dieser kleine, aber feine Club ist nämlich gefühlt nicht geräumiger als ein etwas großzügiger bemessenes Wohnzimmer. Mit der Ausnahme, dass am einen Ende zwei flache Treppenstufen hinauf zu einer Art winzigen Bühne führen und sich schräg gegenüber eine Bar befindet. Vielleicht hat der eine oder andere von euch sogar eine Bar und Bühne im Wohnzimmer… Wie auch immer. Der Gedanke daran, was wohl gleich passieren würde, zauberte dem geneigten Agent Fresco Jünger jedenfalls direkt ein Grinsen ins Gesicht. Vorher aber gab es in Form der Support-Band an diesem Abend erstmal einen ausgewachsenen Wow-Moment. Lake Cisco aus Koblenz und Köln spielen einen dermaßen knallenden und fetten Post Progressive mit Math- und Post-Rock Einschlägen, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Und zudem passt es perfekt als Support für Agent Fresco – war auch wohl nicht das erste Mal, dass diese Bands zusammen auftraten. Hausaufgabe jedenfalls: hört euch das an!!

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Als dann unsere vier Isländer die Bühne betraten und wiederum zur Einstimmung „Anemoi“ und „He is listening“ zum Besten gaben war augenblicklich klar: das heute ist etwas ganz anderes als tags zuvor – soundtechnisch. Arnór war dieses Mal ausgezeichnet zu verstehen und das Publikum dankte es mit euphorischem Mitsingen in den Refrains – sofern bekannt. Wie beispielsweise beim folgenden „Howls“, der aktuellen, grandiosen Single des „Destrier“-Albums. Wenn hier Drums, Gitarre und Bass zum hymnisch-euphorischen Intro ansetzen gibt es kein Halten mehr. Zwischendurch erzählte Arnór immer wieder mal was zu den Lyrics, nicht zu unterschätzen bei dieser Band. Denn diese sind hintergründig, metaphorisch und wichtig für das Verständnis der Band und ihrer Musik. So geht es im Song „See hell“ um die Folgen eines feigen Angriffs auf Arnór, der vor einigen Jahren in Reykjavík hinterrücks niedergeschlagen wurde. Oder um den Verlust eines sehr nahe stehenden Menschens (dem Vater) in einem der absolut großartigsten Stücke der vier Isländer überhaupt: „Eyes of a cloud catcher“. Diesem Refrain, wie dafür gemacht lauthals und mit Inbrunst einzustimmen, kann sich niemand entziehen. Der Band merkte man dabei den Spaß, in diesem ganz besonders intimen Rahmen spielen zu können, in jeder Minute während der 15 Songs an. Musikalisch gehört die Band ohne Zweifel zum Besten, was die Insel momentan zu bieten hat. Jeder einzelne ist ein überragender Musiker an seinem Instrument und in den Math-Rock-typischen, komplexen Rhythmen offenbart sich das einer Symbiose ähnliche, perfekte Zusammenspiel einer Band mit beinahe unheimlichem Gespür füreinander.

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Ihr habt das verpasst? Bitter, denn die Destrier-Tour ist zumindest in Deutschland nach diesem Wochenende Geschichte. Allerdings kommen Agent Fresco im Januar wieder für vier Konzerte nach Köln, Berlin und München als Support für Coheed and Cambria und nach Hamburg. Ihr wollt das nicht verpassen.

Alle Fotos ©Florian Trykowski, nordic music photography, @Facebook, @Instagram. Lohnt sich sehr mal auf seine Seiten zu schauen!

Maybe...

2 comments

  1. Ein Konzert von Agent Fresco sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen. Ihre Musik und Auftritte haben mich so richtig begeistert. So extrem, wie schon länger nicht mehr.

    Ich überlege noch, ob ich im Januar auf das Konzert in Köln gehen soll. Schließlich habe ich sie im November mehrmals beim Airwaves gesehen und danach noch in Maastricht und Oberhausen. Mal sehen ;D

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